Der Verein Deutsche Sprache in Sachsen-Anhalt
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Kammersängerin Edda Moser lud am 14. September 2012 zum Festspiel der deutschen Sprache ins Goethe-Theater nach Bad Lauchstädt  

Auch in diesem Jahr holte Edda Moser (3.v.r.) die Größen der deutschen Schauspielkunst nach Bad Lauchstädt: Hermann Beyer, Benjamin Krüger, Anna Thalbach, Hans Stetter, Elisabeth Trissenaar, Christian Grashoff, Norbert Beilharz und Katharina Thalbach (v.l.n.r.)

Das »Festspiel der deutschen Sprache« fand in diesem Jahr zum sechsten Mal in Bad Lauchstädt statt. Die von Kammersängerin und VDS-Mitglied Edda Moser 2006 ins Leben gerufenen Lesungen sind aus dem Kulturleben Mitteldeutschlands nicht mehr wegzudenken. Hier treffen sich Schauspieler und Autoren, um die deutsche Sprache zu feiern, ihre Ausdruckskraft und ihre Schönheit zu genießen und zugleich ihrer Banalisierung entgegenzuwirken. Das Festspiel bietet dem Publikum hochkarätige literarische Texte, historische aber auch moderne Sprachkunstwerke. „Das Festspiel der deutschen Sprache hat die vornehme Aufgabe, uns Lessings »Nathan der Weise« zu Gehör zu bringen”, waren in diesem Jahr Mosers Eröffnungsworte. „In allen Ecken und Enden der deutschsprachigen Länder brodelt es zu Fragen: Jesus von Nazaret, Mohammed oder Abram? Nathan wird die schwere Frage gestellt, welcher der drei Propheten Recht habe. Diese Frage stellt sich uns täglich. Darum ist Nathan der Weise aktueller denn je. Viele Theater deutscher Sprache spielen heute wieder den Nathan, da das Thema zwar unbequem, aber offensichtlich sehr lebensnah ist. Nathan löst das Rätsel, als er von den Ringen des Weisen berichtet. Saladin folgt diesen Worten.”   

Professor Wolfgang Böhmer, ehemaliger Ministerpräsident das Landes Sachsen-Anhalt

Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt a. D., würdigte in seiner Rede »Die Kraft der Worte« aus Anlass des Tages der deutschen Sprache bei der Festveranstaltung der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft in Köthen Edda Mosers Bemühungen in besonderer Weise: „Der Text eines Schauspiels kann, wir haben das voriges Jahr erlebt, da gab es Goethes Faust, und in diesem Jahr Lessings Nathan der Weise, so ideenreich und in so kunstvoller Sprache komponiert sein, dass es eigentlich keines zur Schau gestellten Spieles mehr bedarf, um diesen Text als künstlerischen, als intellektuellen Genuss zu empfinden. Vor allem dann, wenn er in meisterhafter Form vorgetragen wird.” Und das taten die Schauspieler auf der Bühne. Unter der Leitung von Edda Moser liefen die Künstler in der über drei Stunden dauernden Lesung im ausverkauften Haus zur Höchstform auf; das Publikum dankte es ihnen mit donnerndem Applaus.

Die Besetzungsliste konnte sich auch in diesem Jahr sehen lassen: Als Nathan und Daja brillierten Christian Grashof und Katharina Thalbach. Norbert Beilharz überzeugte als Sultan Saladin, Elisabeth Trissenaar gab die Sitha. Anna Thalbach und Benjamin Krüger schlüpften in die Rollen der Recha und des Tempelherrn. Hans Stetter verkörperte den Klosterbruder, Hermann Beyer den Derwisch und den Patriarchen. Die in Halle an der Saale geborene Dramaturgin Ilsedore Reinsberg ist Autorin dieser dargebotenen Lesefassung des ursprünglich fünfaktigen Ideendramas. „Ich finde es gerade eben bei diesem Stück so toll, dass man einmal sagt, man macht es wirklich nur über den Text und wird nicht abgelenkt von irgendwelchen Handlungen. Einmal wirklich nur zu sagen, wir gucken, was sagt uns dieser Lessing, was sagt uns auch dieses Versmaß. Denn man merkt ganz deutlich, wenn man das bedient, dann sind die Sätze sowas von verständlich, und dann werden sie auch schön, und dann blühen sie auch auf”, betonte Benjamin Krüger im MDR-Fernsehen.   

Professor Edda Moser, künstlerische Leiterin, und Dr. Reiner Haseloff, Schirmherr des Festspiels der deutschen Sprache

Das »Festspiel der deutschen Sprache« gehört zu den Höhepunkten im Kulturkalender von Sachsen-Anhalt, Ministerpräsident Reiner Haseloff ist sein Schirmherr. Dieser betonte in seinem Grußwort zur Eröffnung: „Wir wissen, dass die deutsche Sprache immer der Gefahr ausgesetzt ist, sich durch technische Einflüsse, durch Eindringen von Anglismen - was nicht zu verhindern sein wird - so zu verändern, dass sie viele Eigenheiten, die Identität und auch technischen Möglichkeiten verliert. So ist es gut, wenn wir in die Urgründe derjenigen eindringen, die diese deutsche Sprache geschaffen haben. Dazu gehört Gotthold Ephraim Lessing.” Umso mehr mahnte er einen sensiblen Umgang mit der deutschen Sprache an. „Der Umgang mit unserer Sprache und ihre Bewahrung können uns nicht gleichgültig sein. Welche Wertschätzung wir ihr entgegenbringen, ob wir sie pflegen oder vernachlässigen, ist immer auch ein Zeichen dafür, wie wichtig uns unsere Kultur ist. Sprache ist Heimat.” Der Ministerpräsident appellierte an jene, die in öffentlicher Verantwortung stehen, mit gutem Beispiel voranzugehen. 

Theaterdirektor René Schmidt und Edda Moser

Auch im Spielplan des Goethe-Theaters ist das »Festspiel der deutschen Sprache« ein besonderer Höhepunkt. René Schmidt, Geschäftsführer der Historischen Kuranlagen und des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt, glaubt, Edda Moser habe hier die höchste Form der Vollendung gefunden, was den Austragungsort für das Festspiel anbelangt. Was auch daran läge, „dass bei der Ausstattung dieses Theaters zugunsten einer ‚höheren Geistigkeit‘ auf jedwede Form höfischer Repräsentation verzichtet wurde.“ Als künstlerische Leiterin des Festspiels will sie hier auf bedenkliche sprachliche Entwicklungen hinweisen, da sie sich in besonderer Weise der Pflege und dem Erhalt ihrer Muttersprache im Interesse der Sprachgemeinschaft verpflichtet fühlt. So werden alljährlich literarische Werke gelesen, um dem Publikum die Feinheit, Reichhaltigkeit, Ausdrucksstärke und Ästhetik der deutschen Sprache näherzubringen.

Neue Dauerausstellung zur Theater- und Kulturgeschichte eröffnet  

Panorama mit Erinnerungsstücken aus der Theatergeschichte, u.a. Goethes Regiestuhl, das handsignierte Porträt der Durieux, die Windmaschine

„Anlässlich des diesjährigen Festspiels der deutschen Sprache wurde eine neue Dauerausstellung über die 200-jährige Lauchstädter Theater- und Kulturgeschichte eröffnet, was für Sprachfreunde ein besonderes Erlebnis sein wird“, empfiehlt Schmidt einen Besuch im Neuen Schillerhaus. Auf drei Stockwerken widmet sich die Ausstellung der kulturellen Blütezeit des Kurbades im 18. Jahrhundert und der Schillerlegende in Gestalt des original erhaltenen „Schiller-Zimmers“. Im Dachgeschoss erwartet die Besucher eine Schatzkammer mit originalen Versatzstücken und gegenständlichen Erinnerungen aus 200 Jahren Theatergeschichte in Bad Lauchstädt.

Informationen zu den Historischen Kuranlagen und zum Goethe-Theater unter www.goethe-theater.com

Text und Fotos: Jörg Bönisch