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Gewinner des Schülerwettbewerbs »Thietmar und ich • Sprache und Schrift im Wandel der Zeit« in Merseburg ausgezeichnet

Die Teilnehmer des Schülerwettbewerbs »Thietmar und ich • Sprache und Schrift im Wandel der Zeit« erfuhren am 21. November 2015 bei einer Feierstunde im Merseburger Dom die Entscheidung der Jury, welche die eingereichten Arbeiten am 16. November bewertete: Den ersten Preis in der Kategorie Gruppenarbeit erhielt die Klasse 6/1 des Domgymnasiums Merseburg für ihre Arbeit »Einblicke in das Leben und Schaffen von Thietmar«, den ersten Preis in der Kategorie Einzelarbeit (bis 4 Personen) erhielten die Geschwister Anna, Elisabeth, Friederike und Konrad Ilgner aus den Klassen 6, 9 und 11, die extra aus Jena anreisten, für ihr Projekt »Litteras dabimus ad Thietmarum – Wir werden Thietmar einen Brief schreiben«. Die Preise überreichten Michael George (links), Merseburgs Kulturamtsleiter, und Arne-Grit Gerold (rechts), Leiterin der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des Vereins Deutsche Sprache (VDS).   

Anlässlich des alljährlich auf Vorschlag der UNESCO von den Vereinten Nationen am 21. Februar ausgerufenen Internationalen Tages der Muttersprache haben die Stadt Merseburg, die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz sowie der VDS einen Schülerwettbewerb ausgelobt. Der VDS stiftete Preisgelder in Höhe von 500 Euro. Schirmherr war Frank Bannert, Landrat des Saalekreises. Das Projekt stand im Zusammenhang mit der vom 10. August bis 9. November 2015 in Merseburg zu sehenden Sonderausstellung »1000 Jahre Kaiserdom Merseburg«, in der auch das Lebenswerk des Bischofs Thietmar von Merseburg (975 bis 1018) gewürdigt wurde. Es trug den Titel:

Sende Thietmar einen Gruß zurück in das Jahr 1015

Beteiligt haben sich die Klasse 2b der Freien Grundschule Spergau, die Klasse 6b der Sekundarschule »Johann Wolfgang von Goethe« Merseburg sowie die Klasse 6/1 des Domgymnasium Merseburg und eines Kurses der Klassen 11 und 12 des Burgenland-Gymnasiums Laucha, weiterhin Kinder und Jugendliche aus eigenem Bestreben. Sie haben sich mit der Person Bischof Thietmar und seiner Lebensleistung vertraut gemacht, sich dabei mit der Veränderung von Sprache, Bildung und Informationsübertragung beschäftigt und sind zu klugen und teilweise pfiffigen Ideen gelangt, mit denen sie die Juroren Ingrid Honymus, Jessica Buchwald (Vereinigte Domstifter), Arne-Grit Gerold (Verein Deutsche Sprache), Dr. Kerstin Küpperbusch (Landkreis Saalekreis), Domherr Hans-Hubert Werner (Vereinigte Domstifter) und Michael George (Stadt Merseburg) überzeugen konnten.  

Bei den Gruppenarbeiten ging der zweite Platz an die Schüler der Klasse 6b der Sekundarschule »Johann Wolfgang von Goethe« für die »Ausrichtung des Merseburger Doms«. Ein weiterer zweiter Platz ging an die Klasse 2b der Freien Grundschule Spergau für ihr Projekt »Thietmar und ich – Wir helfen Jannis«. Einen Sonderpreis erhielten Schüler der Klassen 10 und 11 des Burgenland-Gymnasiums Laucha für »Die Sage des Rings«. Der zweite Platz bei den Einzelarbeiten ging an Julia Vogt aus der elften Klasse für ihr Projekt »Ein Handy für Thietmar« und Frederik Seidel aus der dritten Klasse erhielt einen Preis für seine »Urkunde zur Grundsteinlegung«. 

Der Dom zu Merseburg, an dem Thietmar wirkte und dessen Grundsteine er im Jahr 1015 legte

Die Schüler von Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien in Merseburg und Umgebung waren bis 9. November aufgerufen, Bischof Thietmar zu Merseburg einen Gruß zurück in das Jahr 1015 zu senden. „So sollte sich die Aufmerksamkeit der Heranwachsenden auf die wichtige Epoche um das Jahr 1000 richten, diese unter Bezug auf den bedeutsamen Bischof erlebbar machen sowie deren Geschichts- und Sprachbewusstsein stärken“, umriss George das Wettbewerbsziel. Während der Projektarbeit sollten sich die Schüler mit Thietmars Lebensleistung vertraut machen und sich dabei mit der Veränderung von Sprache, Bildung und Medien beschäftigen.

Die gebräuchlichen Alltagssprachen vor 1000 Jahren waren Deutsch und Slawisch in ihrer frühmittelalterlichen Ausformung, die Schriftsprache war Latein. Heute verständigen wir uns mündlich und schriftlich auf Deutsch. Die Bildung war seinerzeit wenigen, privilegierten Schichten vorbehalten; die heutige Bildung ist ein Grundrecht. Pergament und Papier waren früher wertvolle, handgefertigte Rohstoffe, die bis über das Heute hinaus als Urkunde oder Buch Auskunft geben können. In unserer Zeit sind Informationen in verschiedenen Formen verfügbar: Internet, Zeitungen, Radio, Fernsehen - aber nur wenige Informationsträger und Speichermedien werden Bestand für die Zukunft haben.  

Vor 1000 Jahren lebend, hat Bischof Thietmar wie kein Zweiter mit seiner Chronik unsere Vorstellung vom Zeitalter der Ottonen geprägt. Er berichtet ausführlich über die ursprüngliche Einrichtung des Bistums Merseburg 968 sowie die Vorgänge um die Auflösung 981 und Wiedergründung im Jahre 1004 durch König Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde. Am 18. Mai 1015 legte Thietmar die Grundsteine zum heutigen Dombau. Bis heute kündet der Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius von seinem Wirken. Seiner Chronik verdanken wir auch die Ersterwähnung Leipzigs zum Jahre 1015. 

Die Stadt Merseburg ist seit 2011 korporatives Mitglied im VDS. „Nach Ausrichtung einer Delegiertenversammlung und der Karikaturenausstellung »Gezielte Streifschüsse«, ist das eine weitere Aktivität, um die Mitgliedschaft in unserem Verein mit Leben zu erfüllen“, freut sich Gerold.

Text: Michael George und Jörg Bönisch | Fotos: Jörg Bönisch | Abb.: Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz